|
Beate Christiane Dethlefs-Forsbach
Musikunterricht in der Schule des Lebens und
Lernens
Vorbemerkungen
Das folgende Zitat aus der Grossen Didaktik von Johann Amos
Comenius (1657) gibt denjenigen Recht, die zu meinen AusfĂŒhrungen anmerken werden: âDas ist alles nicht neu!â
âErstes und letztes Ziel
unsrer Didaktik soll es sein, die Unterrichtsweise aufzuspĂŒren und zu erkunden, bei welcher die Lehrer weniger zu lehren brauchen, die SchĂŒler dennoch mehr lernen; in den Schulen weniger LĂ€rm, ĂberdruĂ und unnĂŒtze
MĂŒhe herrsche, dafĂŒr mehr Freiheit, VergnĂŒgen und wahrhafter Fortschritt; in der Christenheit weniger Finsternis, Verwirrung und Streit, dafĂŒr mehr Licht, Ordnung, Friede und Ruhe.â
1. Musikunterricht heute
In einer Lehrerzeitung fand sich vor einiger Zeit ein Artikel
âCaught-In-The-Act und Mozart â der alltĂ€gliche Spagat im Musikunterrichtâ (Klitzing 1997, S. 12), in dem âZwei Szenen eines ganz normalen Schultagesâ geschildert werden:
Szene 1: Musiklehrer
MĂŒller spielt mit groĂer Ausdruckskraft und technischer Brillanz Beethovenâs Appassionata, Sonate Nr. 23 op. 57 f-moll fĂŒr Klavier. Das Interesse der Klasse ist mĂ€Ăig, dennoch verhĂ€lt sie sich ruhig. Nur Kai steckt
sich verstohlen einen Discman-Kopfhörer in sein Ohr und startet seine Musik, die neueste CD von DJ Bobo. Melanie neben ihm fordert ihn, als sie dies mitbekommt, auf, doch endlich diesen âSchwachsinnâ abzustellen und,
wenn schon, dann ihre CD aufzulegen mit East 17, »die ist echt geil«, fĂŒgt sie hinzu. MiĂgestimmt wegen der Störung bricht der Lehrer die Sonate in der Mitte des 1. Satzes ab und fragt die beiden, ob sie Haupt- und
Seitenthema des Satzes erkannt haben und auch bemerkt, wie geschickt der Komponist die DurchfĂŒhrung beginnen lasse. Kai, mittlerweile ohne Kopfhörer, und Melanie schauen hilfesuchend zu den Nachbarn, die mit einem
Schulterzucken antworten. Nach einigen Augenblicken beidseitigen Schweigens wendet sich der Lehrer ob des offensichtlichen musikalischen Desinteresses, wie er es nennt, fassungslos ab und erlÀutert an der Tafel und am
Klavier den Aufbau der Klaviersonate.
Szenenwechsel: In der Parallelklasse
packen 3 SchĂŒler ihre E-Gitarren aus, eine MitschĂŒlerin installiert ihr Keyboard, wĂ€hrend ihr Lehrer, heiĂe er Schmidt, der restlichen Klasse erklĂ€rt, daĂ sie heute einer kleinen UrauffĂŒhrung beiwohnen werden, an der
sie sogar selbst mitwirken können. Es sei ein Intermezzo fĂŒr die nĂ€chste TheaterauffĂŒhrung der Schule, ein echter PausenfĂŒller also, und ihre MitschĂŒler hĂ€tten sich dazu etwas ausgedacht. Da aber der Schlagzeuger in
einer anderen Klasse sei, mĂŒĂten jetzt alle dessen Part ĂŒbernehmen. Klaus, BaĂ-Gitarrist und Band-Leader, erklĂ€rt kurz den Aufbau des StĂŒckes, die Rhythmusvorstellungen, gibt das Tempo an und fordert seine
MitschĂŒler zu einer ersten Probe mit ihm auf. Jetzt fragt auch noch Michaela, ob sie mit ihrem Cello die BaĂlinie mitspielen dĂŒrfe. Sie habe ihr Cello wegen einer Probe des Orchesters am Mittag zufĂ€llig dabei. Die
Band akzeptiert, zeigt ihr die notierte Harmoniefolge und gibt den Einsatz zu einer ersten Durchlaufprobe. WĂ€hrenddessen schreibt der Lehrer die Harmoniefolge an die Tafel und nutzt dann die letzten Minuten der Stunde
noch, um auf die Liedbesprechung der letzten Stunde und deren Ă€hnlichen formalen Aufbau wie beim âIntermezzoâ hinzuweisen und den Bogen zur kommenden Stunde zu schlagen.
Diese Szenen sind konstruiert, ebenso wie die Typisierung der SchĂŒler und Lehrer. Sie zeigen jedoch einige Aspekte des aktuellen Musikunterrichts mit seinen Problemen und
Möglichkeiten. Was könnte der Musikunterricht heute leisten, was kann er nicht? Wie begrĂŒndet er sein SelbstverstĂ€ndnis in der âSchule des Lebens und Lernensâ? Welchen Stellenwert hat das Fach Musik im FĂ€cherkanon?
Hans BĂ€Ăler, Bundesvorsitzender des Verbandes Deutscher Schulmusiker, hat im Februar 2000 in einem
Statement zur Situation des Musikunterrichts
an den allgemeinbildenden Schulen festgestellt, dass der Musikunterricht an den allgemeinbildenden Schulen weiter abnimmt. So sollen z.B. in Schleswig-Holstein in der Grundschule nur noch etwa 8%, in der Hauptschule etwa 15%, in der Realschule etwa 35% und im Gymnasium etwa 65% von qualifizierten Musiklehrern erteilt werden. Ăberall da, wo das Fach Musik als Wahlfach angeboten wird, ist ein starker RĂŒckgang festzustellen: In Hamburg wĂ€hlten nur noch etwa 8% der SchĂŒler in der Gymnasialen Oberstufe Musik als Grund- oder Leistungskurs, in Bayern wĂ€hlten etwa 90% der HauptschĂŒler das Fach Musik nach der Klasse 6 ab. In Nordrhein-Westfalen ist das Fach Musik aus dem sprachlich-kĂŒnstlerischen Aufgabenfeld gestrichen worden, wodurch die AttraktivitĂ€t des Faches wesentlich eingeschrĂ€nkt wird.
Hier und in anderen BundeslÀndern zeichnet sich eine
Krise des Musikunterrichts
ab, die man im Zusammenhang mit einer Krise der Schule sehen muss. Daher möchte ich Innovationen fĂŒr den Musikunterricht in den gröĂeren Rahmen der Schulreform am Ende des 20. Jahrhunderts einordnen.
2. Schule heute
In den 1990er Jahren ist Schule zunehmend in die Diskussion
geraten. Einerseits wird beklagt, dass die SchĂŒler zu wenig Kompetenzen im Hinblick auf Studium und Beruf erwerben, andererseits wird eine schlechte fachliche Ausbildung kritisiert.
Die VerÀnderungen der Kindheit und Jugend wirken sich
gravierend auf die Schule aus und verlangen nach Reformen von Unterricht und Schulleben. Die AnsprĂŒche der Gesellschaft an die heutige Schule, die Zunahme des Wissens, der Einfluss der Medien, die Forderung nach lebenslangem
Lernen â das sind Faktoren, die die âZukunft der Bildungâ und die âSchule der Zukunftâ bestimmen. Dies ist ausfĂŒhrlich in der Denkschrift der Bildungskommission Nordrhein-Westfalen (1995) formuliert worden und hat
Richtlinien und LehrplÀne sowie Konzepte der Schulentwicklung und Schulreform nachhaltig beeinflusst.
In vielen AnsÀtzen werden Unterrichtskonzepte der
ReformpĂ€dagogik aktualisiert, zusammenfassend werden sie unter dem Begriff âSchule als Lebens- und Erfahrungsraumâ bzw. unter verschiedenen Konzepten des âNeuen Lehrens und Lernensâ genannt.
Im Jahr 1997 hatte der damalige BundesprÀsident Roman Herzog
mit einer Grundsatzrede zur Bildungspolitik die besondere Bedeutung dieser Thematik fĂŒr die Zukunft Deutschlands herausgestellt. 1999 fand der Deutsche Bildungskongress in Bonn statt, bei dem ein zuvor erarbeitetes
âMemorandum des Initiativkreises Bildung der Bertelsmann Stiftungâ vorgestellt wurde. Roman Herzog hielt daraufhin eine Rede mit dem Titel âMegathema Bildung â vom Reden zum Handelnâ.
Zum Memorandum gibt es Stellungnahmen aus unterschiedlichen
Perspektiven. Hier kommen SchĂŒler ebenso wie Politiker, Wirtschaftslenker und auch PĂ€dagogen zu Wort. Die SchĂŒlerin Judith MĂŒller aus Oberhausen Ă€uĂert âOffene SchĂŒlerwĂŒnsche am Ende des Jahrtausendsâ (Bertelsmann
Stiftung 1999, S. 124-130):
âSchule ist Pflichtprogramm, das absolviert
werden muss â gelebt wird am Nachmittag! SchĂŒler empfinden sich als von Strukturen und FunktionstrĂ€gern (sprich Lehrern) determinierte Objekte, die kaum Möglichkeiten der Mitgestaltung sowohl des individuellen
Lernprozesses als auch der Rahmenbedingungen sehen. Mitarbeit in Gremien oder AusschĂŒssen wird als wirkungslos erlebt. ⊠Die Folgen mangelhafter bzw. mangelnder Mitwirkungsmöglichkeiten sind Unzufriedenheit der
SchĂŒler, da alles ĂŒber ihren Kopf hinweg entschieden wird, und die UnfĂ€higkeit zu demokratischem Verhalten.â
Judith MĂŒller bemĂ€ngelt die Konturlosigkeit
der Schule, das Fehlen eines klaren Profils. Lehrer und SchĂŒler könnten sich demzufolge nicht mit ihrer Schule identifizieren. Dies sei aber Voraussetzung, sich dort wohl zu fĂŒhlen und sich zu engagieren.
Ăltere SchĂŒler beklagen zudem mangelnden RealitĂ€tsbezug:
Sie fĂŒhlen sich schlecht auf die Arbeits- und Hochschulwelt vorbereitet. âDie Schulen verschlieĂen sich nach auĂen, es fehlt die Kommunikation mit der Gesellschaft.â Eine Ăffnung von Schule ist unerlĂ€sslich, das
auĂerschulische Leben sollte in den Schulalltag integriert werden.
Weiter wird die einheitliche Gestaltung des Unterrichts
bemĂ€ngelt. Der SchĂŒler hat nicht die Möglichkeit, seine individuelle Lernform zu finden. Es sind neue differenzierte Wege notwendig, die eine unterschiedliche PrĂ€sentation von Wissen ermöglichen. Freie Lernformen sind
notwendig, z.B. regelmĂ€Ăige Freiarbeitsstunden in der Woche, oder feste Projektarbeitsblöcke im Jahr. Die SchĂŒler hĂ€tten dort die freie Wahl der Inhalte, der Lernform und des Lerntempos.
Selbstverantwortung fĂŒr das eigene Lernen sollte angestrebt
werden, dies stellt an SchĂŒler und auch an Lehrer höhere AnsprĂŒche. âDer Lehrer fungiert als demokratischer Leiter, managt und betreut somit die SchĂŒler in ihrem Lernprozess.â
Eine andere Art der Leistungsbewertung ist erforderlich.
âDas neue Wissen muss vom EinzelschĂŒler so aufbereitet werden können, dass es von allen anderen SchĂŒlern verstanden wird und nutzbringend weiterzuverwenden ist. Zur PrĂ€sentation böten sich z.B. Hausarbeiten,
Wandzeitungen, Videofilme usw. an.â
âAusfĂŒhrliche und individuelle Beurteilungen sind nötig,
in denen nicht nur das reine Faktenwissen der SchĂŒler bewertet, sondern auch Arbeitsweise, Entwicklung, Aufbereitung usw. berĂŒcksichtigt werden.â
Soweit die Meinung der SchĂŒlerin.
3. Vorschau
In meiner Darstellung möchte ich zunÀchst darauf eingehen,
wie sich die psychisch-sozialen Rahmenbedingungen fĂŒr heutige Kinder und Jugendliche geĂ€ndert haben und welche Konsequenzen daraus fĂŒr die Schule abzuleiten sind.
Sodann möchte ich die Umrisse einer Theorie der Schule
, wie sie der Erziehungswissenschaftler Rainer Winkel begrĂŒndet hat, am Bild vom âHaus des Lebens und Lernensâ aufzeigen. Anhand der Aufgaben bzw. Funktionen einer humanen Schule versuche ich eine Bestimmung der Ziele von
Musikunterricht in der Schule.
Anhand von zehn Merkmalen werde ich den
Musikunterricht in der Schule des Lebens und Lernens charakterisieren. Zur Verdeutlichung dieser Unterrichtskonzeption dienen die Beispiele fĂ€cherĂŒbergreifenden Projektunterrichts mit Musik im Anhang.
FĂ€cherĂŒbergreifendes Arbeiten als Bestandteil und ErgĂ€nzung des Fachunterrichts in Musik bietet neben Formen des âneuen Lernensâ auch vielfĂ€ltige AnsĂ€tze zu einer MedienpĂ€dagogik.
Sozialisationsbedingungen heutiger Kinder und Jugendlicher
1. VerÀnderte Kindheit

Quelle: Winkel 1997b, S. 18
Einige Thesen von Rainer Winkel (1997b, S. 18f.) zur verÀnderten Kindheit:
Kindheit ist heute vor allem Medien-Kindheit, d.h. eine ⊠weitgehend sekundÀr oder auch tertiÀr vermittelte RealitÀt.
Kindheit ist heute zweitens ĂŒberwiegend Einzel-Kindheit
, d.h. eine ohne Geschwister, weitlÀufige Verwandtschaft und intergeneratives TiefengefÀlle erfahrene RealitÀt.
Kindheit ist heute drittens Bedrohungs-Kindheit
, d.h. eine von vielen Gefahren ⊠durchdrungene RealitÀt.
Kindheit ist heute hÀufig Als-Ob-Kindheit
, d.h. eine viel zu frĂŒh von der Welt der Erwachsenen ⊠unterbrochene RealitĂ€t.
Kindheit ist heute fĂŒnftens Schul-Kindheit
, d.h. eine ⊠von 15000 Stunden kognitiver Belehrung, zensierter Kontrolle, lahmgelegter Körperlichkeit und erzwungener Langeweile gekennzeichnete RealitÀt.
Kindheit ist heute nicht zuletzt GroĂstadt-Kindheit
âŠ, d.h. eine von rasendem Verkehr, Staus, KriminalitĂ€t, Drogen, Rund-um-die-Uhr-Service, WarenĂŒberangebot ⊠sowie den damit verbundenen WidersprĂŒchen ausgehaltene RealitĂ€t.
Kinder und Jugendliche wachsen heute unter wesentlich anderen Bedingungen auf als ihre Eltern und GroĂeltern. Kindheit ist kein
Schonraum mehr, der Erfahrungsraum Familie hat sich tiefgreifend verwandelt. Andererseits erhalten viele Kinder eine intensive
Zuwendung ihrer erwachsenen Bezugspersonen, werden als Partner ernst genommen, finden als Einzelne Beachtung und sind es gewohnt, hÀufig im Mittelpunkt zu stehen (Bohnsack 1996, S. 37f.).
Bei den elterlichen Erziehungswerten hat ein deutlicher Wandel stattgefunden. WĂ€hrend die Betonung von âGehorsam und Unterordnungâ
sank, ist eine Tendenz zur Förderung des Erziehungsziels âSelbstĂ€ndigkeit und freier Willenâ festzustellen (Fend 1988, S. 114f.). Die
Beziehungen zwischen Erwachsenen und Jugendlichen haben sich von traditionell stÀrker autoritÀren zu stÀrker partnerschaftlichen
verĂ€ndert. Kinder lernen, ihre Interessen so zu vertreten, dass sie auch Erwachsenen gegenĂŒber begrĂŒndet erscheinen. Die fĂŒhrt in vielen
Familien zu mehr SelbstÀndigkeit und Gleichberechtigung, zu erhöhter LiberalitÀt und Nachsicht (Bohnsack 1996, S. 42f.).
Es zeigt sich ein deutlicher Trend zur VerlĂ€ngerung der Schulzeit. Die ErwerbstĂ€tigkeit ist fĂŒr die unter 25jĂ€hrigen kein
charakteristisches Merkmal der Jugendphase mehr. Bei allen Chancen, die Jugendliche dadurch haben, fehlt ihnen doch die Erfahrung
der unmittelbaren gesellschaftlichen NĂŒtzlichkeit, trotz groĂer Freiheit in der Gestaltung des Lebensalltags erleben sie auch einen hohen Grad an Fremdbestimmung (vgl. Hurrelmann 1989, S. 15f.).
Die Technisierung der Umwelt und verĂ€nderte Wohnbedingungen fĂŒhren bei vielen SchĂŒlern zu einer Reduktion von sinnlich-unmittelbaren
Erfahrungsmöglichkeiten. Das Spiel der Kinder Ă€ndert sich - verkĂŒrzt ausgedrĂŒckt - von âKreativitĂ€t zu Konsumâ (Bohnsack 1996, S. 38).
Durch den Verlust der natĂŒrlichen ErfahrungsrĂ€ume mit ihren Spiel- und Erlebnismöglichkeiten verĂ€ndern sich die kindlichen
Lebenswelten, und geraten zunehmend unter den Einfluss der elektronischen Medien. Vor allem fĂŒr GroĂstadtkinder wird Kindheit zur âMedienkindheitâ (Winkel 1997b, S. 18).
Die Form der Kulturaneignung in der Kindheit hat sich durch die elektronischen Medien wesentlich verÀndert. Insbesondere der hohe
Fernsehkonsum verĂ€ndert das VerhĂ€ltnis von eigener Wahrnehmung und âWirklichkeit aus zweiter Handâ, er fĂŒhrt zu einem âallmĂ€hlichen
Verschwinden der Wirklichkeitâ (Hentig 1993, S. 28) und zu einer Verarmung an unmittelbarer Erfahrung. Andererseits bringt das
Fernsehen eine âerhebliche Horizonterweiterungâ (Bohnsack 1996, S. 40). FĂŒr den Unterricht bedeutet das, dass die heutigen SchĂŒler
zwar vieles kennen, aber kaum etwas ĂŒber die Welt wissen. Die Bilderflut und die stĂ€ndige akustische BelĂ€stigung fĂŒhren ferner dazu,
dass vielen jungen Menschen heute buchstĂ€blich Hören und Sehen vergangen ist, d.h. sie lassen sich âberieselnâ und nehmen kaum noch etwas wirklich wahr.
Die verstÀrkte Hinwendung zu Gleichaltrigen ist eine Folge der verÀnderten Familiensituation, an die Stelle des elterlichen Einflusses tritt
der zunehmende Einfluss der Gleichaltrigengruppen. Nach den Untersuchungen der Jugendforschung haben sich im Hinblick auf die
SelbstÀndigkeit der Jugendlichen erhebliche VerÀnderungen vollzogen. Es ist ein starkes Streben nach Autonomie und
Selbstverwirklichung zu festzustellen. Die zunehmende UnabhĂ€ngigkeit der Kinder kommt den gewachsenen SelbstĂ€ndigkeitswĂŒnschen
der Eltern fĂŒr ihr eigenes Leben entgegen. Im Hinblick auf die Konsequenzen fĂŒr die Schule ist entscheidend, dass Jugendliche
auĂerhalb der Schule im zunehmenden MaĂe als eigenstĂ€ndige Wesen akzeptiert werden (Bohnsack 1996, S. 44).
In der Schule bestimmen jedoch weithin die Lehrer, welche Unterrichtsinhalte mit welchen Methoden behandelt werden. Die Diskrepanz
zwischen den VerÀnderungen der Jugend und dem Beharren der Schule auf ihren traditionellen Strukturen wird von Jugendforschern als
Ursache dafĂŒr gesehen, dass die schulischen Bildungsprogramme eine so geringe Wirksamkeit haben (ebd., S. 45). In dem MaĂe, wie
Jugendliche auĂerhalb der Schule als eigenstĂ€ndige Persönlichkeiten anerkannt werden, erscheint ihnen die Fremdbestimmung in der
Schule unangemessen. Sie erleben die Schule kaum als Lebens- und Erfahrungsraum, in dem sinnvolles Lernen stattfindet, wobei ihr persönliches Leben betreffende Fragen ernsthaft bearbeitet werden.
2. Konsequenzen fĂŒr die Schule
Kinder und Jugendliche sollten als eigenstÀndige Wesen akzeptiert werden.
Eine stÀrkere Differenzierung und Individualisierung des Unterrichts ist anzustreben.
Der Unterricht sollte sich den (musikalischen) Erfahrungen der SchĂŒler öffnen und ihnen neue, unmittelbare Erfahrungen
ermöglichen.
Die SchĂŒler sollten ein hohes MaĂ an Selbstbestimmung, weniger Fremdbestimmung erfahren. Anzustreben sind ZurĂŒcknahme der
Lehrerdominanz und Aufbau einer partnerschaftlichen Beziehung zum Lehrer.
Die SchĂŒler sollten selbstverantwortlich in kooperative Planungs- und Entscheidungsprozesse einbezogen werden.
Die Schule sollte die Erfahrung sinnvoller TÀtigkeiten ermöglichen.
Intellektuelles Lernen und praktisches Tun sollten so oft wie möglich verbunden werden.
Das Lernen sollte in Sinn- und SachzusammenhÀngen erfolgen. Es sollte zunehmend ganzheitlich, lebensnah, handlungsorientiert,
fĂ€cherĂŒbergreifend, vernetzt und in projektartiger Form gelernt werden.
Schule als Haus des Lebens und Lernens
Um eine Vorstellung vom Haus des Lebens und Lernens zu vermitteln, sei ein Gegenbeispiel betrachtet. Im Bild âWirst Du wohl mal
Nutzen bringen, Kleiner?â von Peter Tillberg (1971/72) sieht man ein nĂŒchternes, funktionsorientiertes Lernzentrum. Hier ist alles wohl
geordnet. Die SchĂŒler sitzen ruhig und diszipliniert an Einzeltischen. Die AuĂenwelt bildet zwar einen fast lebendigen Kontrast zum
Innern des Raumes, jedoch haben die Fenster keine Griffe zum Ăffnen. Das Lernen folgt unterrichtsökonomischen und fachlichen Prinzipien. Soziale, praktische oder Ă€sthetische Erfahrungen bleiben auf der Strecke.
Abbildung:Peter Tillberg: Wirst Du wohl man Nutzen bringen, Kleiner? (1971/72) Quelle: Schiffler/Winkeler 1994, S. 143
1. Haus des Lebens und Lernen
Vorstellungen vom Haus des Lebens und Lernens schlieĂen folgende Aspekte ein (vgl. Bildungskommission NRW 1995, S. 86; Winkel
1997a, S. 17):
1. Lehrende und Lernende werden in ihrer IndividualitÀt angenommen, die persönlichen Eigenarten finden in der Gestaltung der Schule
ihren Platz.
2. Die RĂ€ume laden zum Verweilen ein, hier gibt es Anreize zum Lernen und zur selbsttĂ€tigen Auseinandersetzung sowie AnlĂ€sse fĂŒr
GesprÀche und Begegnungen.
3. Das Zusammenleben ist von gegenseitiger RĂŒcksichtnahme und Respekt vor einander geprĂ€gt.
4. Es gibt genug Zeit zum Lernen, Umwege und Fehler sind erlaubt, ZeitplÀne können flexibel reguliert werden.
5. Es wird intensiv gearbeitet, wobei die Freude am eigenen Lernen wachsen kann, aber es gibt auch Phasen der Erholung.
6. Es findet so viel Erfahrung wie möglich und so wenig Belehrung wie notwendig statt.
7. Die SchĂŒler werden an Planung, DurchfĂŒhrung und Auswertung der Lernprozesse beteiligt.
8. Unterricht findet in vielfÀltigen Formen statt, der Frontalunterricht ist eine davon, aber nicht die einzige.
9. Beim Lernen werden alle sechs Sinne (des Sehens, Hörens, Schmeckens, Riechens, Tastens, Sich-Bewegens) berĂŒcksichtigt.
10. LehrplÀne und FÀcher werden durch Projektlernen immer wieder vernetzt.
Das Haus des Lernens
braucht einen Bauplan. Dort werden das âFundamentâ und âtragende Elementeâ (WĂ€nde, StĂŒtzen und TrĂ€ger)
verbindlich festgelegt. Die RĂ€ume dĂŒrfen nicht zu eng konzipiert werden, manche WĂ€nde können bei Bedarf wieder entfernt werden (vgl.
die Karikatur zum fĂ€cherĂŒbergreifenden Unterricht). Die Ausgestaltung der RĂ€ume muss auch eigene Gestaltungsmöglichkeiten fĂŒr andere Bewohner zulassen.
Der Bauplan fĂŒr den Raum des Faches Musik muss in den Bauplan des gesamten Hauses des Lebens und Lernens, das
Schulprogramm, integriert sein. Der Plan fĂŒr den Musikunterricht wird in einem schulinternen Lehrplan skizziert. Dabei sollte jedoch
nicht mehr festgelegt werden, als unbedingt erforderlich. Solche Festlegungen könnten sein: Grundkenntnisse ĂŒber Töne, Tonleitern und
Akkorde erwerben; diese beim Musizieren und Musikhören anwenden; Singen, Musizieren und Tanzen im Klassenverband; die Epoche
Barock; Geschichte des Jazz; aber auch: Gruppenarbeit, Projekte, fĂ€cherĂŒbergreifendes Arbeiten, Referate; auĂerdem organisatorische
Fragen: Arbeitsgemeinschaften, Epochenunterricht, Zeiten fĂŒr Projekte, Vernetzung mit dem Schulleben.
2. Fehlformen der Schule
In seiner âTheorie der Schuleâ beschreibt Rainer Winkel (1997b, S. 109ff.) einige âFehlformenâ. In den Ăberlegungen zur Bedeutung des
Musikunterrichts in der Schule des Lebens und Lernens sollte auch bedacht werden, welche Aufgabe der Musikunterricht nicht haben
kann. Drei der von Winkel beschriebenen Fehlformen seien hier ausgewÀhlt, da sie in Bezug auf das Fach Musik besonders wesentlich erscheinen.
Schule als âWarenhausâ
In solchen Schulen orientiert man sich am Markt: Die Nachfrage bestimmt das Angebot und dieses die Nachfrage. Alles ist hĂŒbsch
verpackt, jeder kann sich nach Belieben bedienen. Lehrer agieren als VerkĂ€ufer und SchĂŒler als KĂ€ufer. Die Schulbildung soll möglichst
effektiv sein im Hinblick auf ihre Verwertung, sie soll sich bezahlt machen. Musikunterricht erscheint hÀufig verzichtbar, besonders in der
schwierigen Mittelstufe wird Wahlfreiheit propagiert. SchĂŒler wĂ€hlen traditionellen Musikfachunterricht ab, an manchen Schulen gibt es
kaum noch Oberstufenkurse. Manche Musiklehrer sind froh ĂŒber weniger Pflichtunterricht, weil dann persönliche Vorlieben im Bereich freiwilliger Arbeitsgemeinschaften besser realisiert werden können.
Schule als âAquadromâ
Hier tut jeder nur das, was er wĂŒnscht, was ihm VergnĂŒgen und Verweilung bringt. Schule wird als Freizeitcenter und nicht als Ort
anstrengenden Lernens angesehen. Lehrer richten sich nach einer âErleichterungspĂ€dagogikâ: Wenn schon kein (Lern-)Inhalt mehr Sinn
stiftet, soll wenigstens die âAtmosphĂ€reâ stimmen. Erholung, SpaĂ und Lust sind im Unterricht wichtig. Im Musikunterricht hört man die
mitgebrachten CDs der SchĂŒler zur Unterhaltung an, lĂ€sst sich von Videoclips und Musikfilmen berieseln, schaut sich ein Musical an.
Man singt den neuesten Hit zum Playback, man trommelt wochenlang dasselbe oder ĂŒbt einen Tanz nach dem anderen. Im besten Falle
leitet Musikunterricht die SchĂŒler zur Freizeitgestaltung an. Kann es Aufgabe der Schule sein, den SchĂŒlern nur das zur Pflicht zu machen, was sie wĂŒnschen?
Schule als âSterbeklinikâ
Dort wird geklagt und gejammert, das kleine Wörtchen âaberâ wird riesengroĂ geschrieben! Denn alles, was man vorschlĂ€gt, ist schon
einmal da gewesen, haben wir schon mal gemacht, hat sich aber nicht ausgezahlt â aber, jedoch, hingegen ... Die AktivitĂ€t solcher
Schulen scheint sich darauf zu beschrÀnken, das zu verhindern, was auch immer verÀndert werden soll. Probleme wie Gewalt, Alkohol,
Drogen werden ignoriert, man versucht, dies durch autoritĂ€res Verhalten und stĂ€rkeren Druck, durch Aussonderung problematischer SchĂŒler zu bekĂ€mpfen.
Resignation, âinnere KĂŒndigungâ, âBurnoutâ, Warten auf den Ruhestand â das kennzeichnet solche Schulen. Hier zeigt sich eine groĂe
Angst vor VerĂ€nderungen. Man fĂŒrchtet den Verlust der IdentitĂ€t, wenn man das, was man schon immer getan hat, nicht mehr tun kann.
Daher gibt es viele WiderstĂ€nde gegen VerĂ€nderungen, wie z.B. bei der EinfĂŒhrung des fĂ€cherĂŒbergreifenden Unterrichts.
Quelle: Schulmagazin 5 bis 10, 7-8/1998
Musiklehrer sind hĂ€ufig isoliert. Wenn sie sich nicht mehr ihrer AG-Arbeit widmen können, z.B. weil kein Nachwuchs fĂŒr den Schulchor
mehr existiert, resignieren sie. Das ZurĂŒckziehen hinter geschlossene TĂŒren (âIch und meine Klasseâ) bedeutet oft ein Alleinsein mit
Problemen. Durch mehr Kooperation und Kommunikation mit anderen Lehrern oder auĂerschulischen Personen könnte sich der Schulalltag beleben, verĂ€ndern â aber, jedoch, hingegen ...
3. Aufgaben bzw. Funktionen einer humanen Schule
Mit seiner Theorie einer humanen Schule, einer Schule als Lebens- und Erfahrungsraum, orientiert Winkel sich am Begriff der Schule als
âOfficina hominumâ, wie sie von Johann Amos Comenius genannt wurde. Damit ist eine Schule als âWerkstatt des Menschen fĂŒr den
Menschenâ gemeint, in der allen das Ganze von Grund auf gelehrt werden soll: âubi Omnes Omnia Omnino doceanturâ. Die Schule dient
der Bildung der SchĂŒler, deren Wissen und Können so zu entwickeln ist, dass sie âaufzukommen vermögen fĂŒr die Dinge, Lebewesen
und sich selbstâ (Winkel 1997b, S. 114). Das anthropologische bzw. pĂ€dagogische Konzept, an dem sich die humane Schule orientiert,
beschreibt Winkel mit der Chiffre âErziehung zur Selbstbestimmung, Verantwortung gegenĂŒber der Gemeinschaftâ (Winkel 1997a, S. 17).
Winkel (1997b, S. 114ff.) definiert fĂŒnf Aufgaben bzw. Funktionen einer humanen Schule:
Schule als Ort der GesprÀche
Zum GesprĂ€ch gehören auch Schweigen und Zuhören können fĂŒr Lehrer und SchĂŒler. Nicht nur Monologe des Lehrers, sondern Dialoge
zwischen Lehrern und SchĂŒlern, zwischen den SchĂŒlern und auch zwischen den Lehrern, z.B. in fĂ€cherĂŒbergreifenden Projekten,
gehören zur GesprĂ€chskultur der Schule. Kommunikation ohne Hierarchie ermöglicht Wahrheiten zu ermitteln, neue Erfahrungen zu machen, argumentieren zu lernen, Regeln und Festlegungen fĂŒr den Lebensraum Schule zu treffen.
Schule als Ort der Spiele
Im Spiel kann man sich erholen und erfreuen. Spielkompetenz muss man wie GesprÀchskultur erlernen. Auch im Musikunterricht der
Sekundarstufen gibt es viel Freiraum fĂŒr Elemente spielerischen Lernens.
Schule als Ort des Lernens
Die (Lern-)Arbeiten stehen im Zentrum der Schule. Hier geht es um die Curricula, die zu lernenden Inhalte, um die grĂŒndliche Erarbeitung
von Fakten, Problemen und Sachverhalten. Wenn der Sinn des Arbeitens deutlich wird, kann das GlĂŒck anstrengender Lernarbeit erfahren werden.
Schule als Ort des Feierns
Schon ReformpÀdagogen wie Hugo Gaudig und Peter Petersen haben auf die Bedeutung dieses Erfahrungsbereiches hingewiesen. Eine
SchĂŒlerfete ist jedoch noch lange keine Feier, bei der es darum geht, etwas zu gestalten und darzustellen. Gerade der Musik kann beim
Feiern in der Schule Zeit und Gelegenheit eingerĂ€umt werden, auch kann im Musikunterricht gefeiert werden: Von der dreiminĂŒtigen
Geburtstagsfeier in der Klasse ĂŒber die UrauffĂŒhrung eines Klassenhits, das Pausensingen in der Adventszeit bis zum Schulkonzert oder der BegrĂŒĂungsfeier fĂŒr neue SchĂŒler.
Schule als Ort der Begegnungen
Hier geht es um Begegnungen zwischen Generationen und Kulturen, zwischen den Geschlechtern, Behinderten und Nicht-Behinderten,
in denen Fremdes erkundet und Eigenes als solches erfahren wird. Im Musikunterricht begegnen sich die musikalischen Lebenswelten
des Lehrers und der verschiedenen SchĂŒlergruppen, der Angehörigen verschiedener LĂ€nder, Kulturen und Religionen. Es geht aber auch
um die Begegnung der Lehrer einer Klasse mit ihren unterschiedlichen Erziehungsstilen, ihren Menschen- bzw. SchĂŒlerbildern und ihrem
VerstÀndnis als Fachexperten bzw. Wissensvermittler. In einer humanen Schule ist Kooperation der Lehrer im Hinblick auf den
gemeinsamen Bildungsauftrag erforderlich. Die Isolation des einzelnen Lehrers und seines Faches im Lehrerteam einer Klasse und im Gesamtkollegium muss aufgehoben werden, damit wirkliche Begegnungen stattfinden können.
Ăber diese fĂŒnf Aufgaben der Schule soll Bildung ermöglicht werden. Winkel veranschaulicht diesen Umriss einer humanen Schule am
Bild der Hand (diese Idee geht auf Maria Montessori zurĂŒck). Wie eine Hand, der zwei oder drei Finger fehlen, verkrĂŒppelt genannt wird,
so wĂŒrde eine Schulbildung, die einseitig ist oder bestimmte Aufgaben vernachlĂ€ssigt, eine Halbbildung oder gar Unbildung bewirken.
Quelle: Winkel 1997, S. 116
Musik in der Schule? - Musikunterricht in der Schule des Lebens und Lernens!
1. Musik (nur) in der Schule?
Diese Frage hat mehrere Aspekte (vgl. Dethlefs 2000, S. 275f.). Es ist die Frage nach der Rolle der Musik in der heutigen Schule, die
Frage nach einem zeitgemĂ€Ăen Musikunterricht, aber auch die Frage, ob sich Musik auf den schulischen Rahmen beschrĂ€nken,
sozusagen als Schulfach (wie Mathematik, Englisch oder Biologie) existieren kann. SchlieĂlich ergibt sich die Grundfrage âMusik in der Schule?â.
WĂ€hrend âMusik in der Schuleâ in der 2. HĂ€lfte des vorigen Jahrhunderts selbstverstĂ€ndlich zu sein schien, wird dies heute mehr und
mehr in Frage gestellt. Das Lehrwerk âMusik in der Schuleâ wurde bis in die 1960er Jahre hinein fĂŒr einen Musikunterricht verwendet, der
sich an der Kestenberg-Reform der 1920er Jahre orientierte. âMusik in der Schuleâ ist noch heute Titel einer musikpĂ€dagogischen
Zeitschrift. Der MusikpĂ€dagoge Hermann J. Kaiser (1999, S. 5) hat kĂŒrzlich erlĂ€utert, dass Musik in der Schule nicht ohne weiteres mit
Musikunterricht und Musik als Schulfach gleichzusetzen ist. Das Fach Musik ist in seiner SelbstverstÀndlichkeit gefÀhrdet. Die
organisatorisch-institutionellen Bedingungen werden immer weiter eingeschrÀnkt, nicht zuletzt deshalb, weil die Verantwortlichen
aufgrund ihrer eigenen Erfahrungen mit Musikunterricht keine Veranlassung sehen, diesen in Zukunft fortzusetzen. Zum anderen werden
immer neue gesellschaftliche AnsprĂŒche an die Schule gestellt, die zu der Frage fĂŒhren: Wozu ĂŒberhaupt noch Musikunterricht in der Schule?
Der Verlust des scheinbar SelbstverstÀndlichen birgt gleichzeitig auch Chancen, den Musikunterricht zu verÀndern. Gerade weil die
Medien in der Lebenswelt der SchĂŒler immer mehr Macht bekommen, muss der Musikunterricht lebensnĂ€her werden. Dazu ist es
unerlĂ€sslich, den SchĂŒler als Individuum mit seinen Erfahrungen, Interessen und BedĂŒrfnissen ernst zu nehmen und den Unterricht daran
zu orientieren. Durch die Erfahrung von Selbstverantwortung und Selbstwirksamkeit können Kinder und Jugendliche zum kompetenten Umgang mit Musik in ihrer Lebenswelt erzogen werden.
ErfahrungsgemÀà entsteht Interesse oder gar Freude erst aufgrund der intensiven BeschÀftigung mit einer Sache oder einem
MusikstĂŒck, vorausgesetzt, jeder SchĂŒler findet einen individuellen Zugang dazu. Es geht also nicht nur darum, die Musik der SchĂŒler in
die Schule hereinzuholen, sondern ihnen neue Erfahrungen mit bekannter und fremder Musik zu ermöglichen. Nur dann wird Musikunterricht in der Schule des Lebens und Lernens seine Daseinsberechtigung behalten.
Es kommt heute im Musikunterricht (wie auch in jedem anderen Unterricht) angesichts der sich verĂ€ndernden SchĂŒlerschaft und deren
verĂ€nderten Lernverhaltens darauf an, eine Vielfalt an Methoden und Arbeitsformen zu entwickeln. Statt Musiklernen nach der âTafel- und
Kreide-Methodeâ im lehrerzentrierten Frontalunterricht sollen Erfahrungen mit Musik vermittelt werden. Hierbei spielen die Prinzipien der
SchĂŒler- und Handlungsorientierung eine groĂe Rolle, aber auch die Individualisierung des Lernens, Differenzierung und Integration, soziales Lernen sowie die VerĂ€nderung der Lehrerrolle.
2. Zehn Merkmale des Musikunterrichts in der Schule des Lebens und Lernens
Die folgenden Thesen sind keine aneinandergereihten Wunschvorstellungen oder voneinander unabhÀngigen Einzelaussagen. Sie
kennzeichnen vielmehr einen Musikunterricht, wie er an vielen Schulen noch nicht ist (aber gelegentlich realisiert wird), wie er beim
gegenwĂ€rtigen Stand der (Musik-)PĂ€dagogik sein sollte (aber oft weit hinter diesen zurĂŒckfĂ€llt) und wie er mit Reformengagement nach
und nach realisiert werden kann (jedoch mit WiderstÀnden, Desinteresse, Resignation oder Bequemlichkeit rechnen muss). Die
angefĂŒgten Beispiele fĂ€cherĂŒbergreifenden Projektunterrichts mit Musik sollen verdeutlichen, wie die Thesen gemeint sind. Zu ergĂ€nzen
wÀren Beispiele eines stÀrker fachlich ausgerichteten Musikunterrichts, wie sie in vielen Veröffentlichungen zu finden sind.
ZunÀchst drei Vorbemerkungen
, nicht als Merkmale formuliert (da sie eigentlich selbstverstÀndlich sind):
Bescheidenheit: âDu sollst nicht alles tun, sondern etwasâ
Nicht immer wieder Neues und Besseres: Guter Musikunterricht versucht in bescheidenem MaĂe dieses zu tun, ohne jenes zu lassen.
Also nicht: den Musikbereich mit einem Klassensatz Computern ausstatten und nur noch damit arbeiten, sondern einen Computerarbeitsplatz einrichten, in den Musikunterricht einbeziehen.
Profilierung, Schulprogramm
Musikunterricht an einer Schule kann nicht alles bieten, das hÀngt von den vorhandenen Lehrern, ihren Vorlieben und FÀhigkeiten ab.
Also nicht: an jedem Gymnasium ein Orchester, einen Chor, eine Big Band und in jedem Jahrgang einen Leistungskurs einrichten,
sondern WĂŒnsche und Möglichkeiten von SchĂŒlern und Lehrern berĂŒcksichtigen. FĂ€cherĂŒbergreifende Projekte nicht fĂŒr alle Zeiten
thematisch festschreiben, sondern nach den Interessen der SchĂŒler und Lehrer durchfĂŒhren. Arbeitsgemeinschaften und besondere Unterrichtsveranstaltungen sollten aber einen festen Platz im Schulprogramm haben.
Lernfreude, Freude an der Musik
Musikunterricht, noch dazu, wenn er frei wÀhlbar ist, sollte immer Freude am Lernen vermitteln, vor allem aber Freude an der Musik.
Dazu gehören sinnvolles Lernen, Lernen ohne Angst, Lernen in ZusammenhÀngen, konkurrenzfreie Lernleistung, demokratische und humane Formen der Leistungsbeurteilung (statt Ziffernnoten).
(1) SchĂŒlerorientierung
Der Musikunterricht muss die SchĂŒler mit ihren Erfahrungen und Interessen ernst nehmen. Die SchĂŒlerorientierung lĂ€sst sich nur in
âkommunikativ-didaktischen Arrangementsâ (Winkel) realisieren. Als besonders effektiv haben sich Gruppenarbeit und projektorientierter
Unterricht erwiesen. Dabei ist es fĂŒr die SchĂŒler wichtig, dass sie nicht nach Anordnung lernen mĂŒssen, sondern eigenverantwortlich und
selbstbestimmt arbeiten dĂŒrfen. Unterschiedliche Interessen und Begabungen können in die Arbeitsgruppen eingebracht werden. So
entsteht eine höhere Motivation als beim Unterricht âim Gleichschrittâ, der in der Regel nur auf den Lehrer, nicht aber auf die
verschiedenartigen SchĂŒler zugeschnitten ist. Gerade bei zunehmender Wahlfreiheit des Faches Musik ist die Identifikation der SchĂŒler mit âihremâ Musikunterricht wichtig.
Daher gilt: So viel Gruppen-, Projekt- und Epochalunterricht wie möglich (in dem die SchĂŒler in wachsendem MaĂe mitbestimmend tĂ€tig
sind) und so oft Fach-, Frontal- und Ăbungsunterricht wie nötig (dort findet nachvollziehendes Lernen statt).
(2) VerÀnderung der Lehrerrolle
Aus der Betonung der SchĂŒlerorientierung resultiert eine deutliche VerĂ€nderung der Lehrerrolle: Statt zu belehren soll der Lehrer
Erfahrungen vermitteln. Er muss gleichermaĂen Fachspezialist und Moderator im Lernprozess sein. Das heiĂt, nicht nur eigenes
Wissen und Können vermitteln, sondern die SchĂŒler zum eigenstĂ€ndigen, lebenslangen Lernen befĂ€higen.
Wenn der Lehrer seinen Anspruch auf alleinige Steuerung des Unterrichts aufgibt und die musikalischen Erfahrungen der SchĂŒler
einbezieht, werden die traditionellen Fachgrenzen geöffnet und neue Fachinhalte gemeinsam mit SchĂŒlern erschlossen. Dabei werden
zunehmend auch fĂ€cherĂŒbergreifende ZusammenhĂ€nge thematisiert. Die Lehrerrolle verĂ€ndert sich vom EinzelkĂ€mpfer zum Teamlehrer. Notwendig ist die FĂ€higkeit zu Kommunikation und Kooperation mit SchĂŒlern und Kollegen (vgl. Dethlefs 1995c, 1996).
(3) Differenzierung und Integration
Musikunterricht muss immer auf Verschiedenheit angelegt sein; auch am Gymnasium gibt es keine homogenen Lerngruppen mehr, fĂŒr
die ein Unterricht âim Gleichschrittâ sinnvoll wĂ€re. Die vielfĂ€ltigen Musikerfahrungen der Kinder und Jugendlichen bedingen höchst
individuelle musikalische Profile der einzelnen SchĂŒler. Eine Voraussetzung fĂŒr den Musikunterricht ist die Bereitschaft des Lehrers,
auch das Fremde, Ungewohnte, auch SchĂŒler mit andersartigen Musikinteressen zu tolerieren und in den Unterricht einzubeziehen. Statt
Unterricht âim Gleichschrittâ, bei dem alle SchĂŒler zur selben Zeit das Gleiche lernen, sollte der Musikunterricht durch entsprechende
Arbeitsformen den unterschiedlichen Voraussetzungen, Interessen und Begabungen gerecht werden.
(4) Handlungsorientierung
SchĂŒlerorientierung und Individualisierung der Unterrichtsformen bedeuten auch eine starke Betonung der Handlungsorientierung. SchĂŒler
dĂŒrfen nicht als Objekte betrachtet werden, die die Lernanordnungen des Lehrers auszufĂŒhren haben, sondern als aktiv lernende
Subjekte. Im Musikunterricht sollten intellektuelles Lernen und praktisches Tun möglichst oft verbunden werden. Musizieren im
Klassenverband und projektorientiertes Arbeiten bieten sich besonders an. Die Umgangsweisen âMusik hören, Musik machen, Musikwissen erwerbenâ sollten möglichst integriert in jeder Musikstunde vorkommen.
Das Interesse an einer Sache wĂ€chst durch intensive BeschĂ€ftigung mit ihr, daher ist die SelbsttĂ€tigkeit der SchĂŒler im Unterricht fĂŒr das
Musiklernen wichtig. Mit âBeschĂ€ftigungâ in diesem Sinne ist nicht gemeint: AusfĂŒllen eines vorbereiteten Arbeitsblattes, Befolgen von
Anweisungen, EinfĂŒgen âpassenderâ Antworten in ein vom Lehrer gefĂŒhrtes UnterrichtsgesprĂ€ch, Lesen und ErlĂ€utern eines Textes im Schulbuch, âtrockenesâ Lernen und Ăben musiktheoretischer Begriffe.
(5) Erfahrungsorientierung, Lebensweltbezug
Es ist unerlĂ€sslich, den SchĂŒler als Individuum mit seinen Erfahrungen, Interessen und BedĂŒrfnissen ernst zu nehmen und den Unterricht
daran zu orientieren. Erfahrungsprozesse im Musikunterricht mĂŒssen von den individuellen Erfahrungen der SchĂŒler ausgehen. Durch die
Erfahrung von Selbstverantwortung und Selbstwirksamkeit können Kinder und Jugendliche zum kompetenten Umgang mit Musik in ihrer Lebenswelt erzogen werden.
Gerade weil die Medien in der Lebenswelt der SchĂŒler immer mehr Bedeutung bekommen, muss der Musikunterricht lebensnĂ€her
werden. GegenwÀrtige Musik ist durch Medien bestimmt, daher gilt nicht: Musikunterricht pro oder contra MedienpÀdagogik.
Der Musikpsychologe Klaus-Ernst Behne (1993, S. 9) problematisiert Diskrepanzen zwischen âmusikalischen Lebensweltenâ von
Jugendlichen und Musiklehrern. Es kann im Musikunterricht nicht nur darum gehen, dass Jugendliche einen Zugang zur traditionellen
Musikkultur finden. Vielmehr muss auch der Musiklehrer demonstrieren, dass âman als Einzelner zu sehr verschiedenen musikalischen
Lebenswelten zugleich sehr wohl einen glaubhaften emotionalen Zugang finden kannâ (ebd., S. 13). Der Lebensweltbezug des Musikunterrichts und die SchĂŒlerorientierung bedingen sich gegenseitig.
(6) FĂ€cherĂŒbergreifendes Arbeiten
Musikunterricht, der sich an den Fragen und Interessen der beteiligten Lehrer und SchĂŒler orientiert, ĂŒberschreitet meist die
(traditionellen) Grenzen des Faches Musik. FĂ€cherĂŒbergreifend ist der Unterricht, wenn mehrere FĂ€cher beteiligt sind. Dazu ist die
Zusammenarbeit mit anderen Fachlehrern optimal, doch können auch Inhalte anderer FÀcher oder sogar Inhalte, die an keine
SchulfÀcher gebunden sind, in den Musikunterricht einbezogen werden (durch Referate, Experten, Gruppenarbeit, projektorientiertes Arbeiten, Fachliteratur, Medien).
FĂ€cherĂŒbergreifendes Arbeiten im Fach Musik ermöglicht sinnvolles Lernen in ZusammenhĂ€ngen, dadurch meist eine Vertiefung des
fachlichen Lernens. Der Musikunterricht leistet einen Beitrag zum Erwerb von (fĂ€cherĂŒbergreifenden) SchlĂŒsselqualifikationen, z.B. Erkenntnisinteresse und selbstĂ€ndiges Lernen,FĂ€higkeit zur Kommunikation und Kooperation, vernetztes Denken, kreatives Denken (vgl. Dethlefs 1995a, 1999, 2000).
(7) Projektunterricht
Die ersten sechs Merkmale des Musikunterrichts in der Schule des Lebens undLernens lassen sich besonders gut im Projektunterricht
realisieren. Diese Unterrichtsform verbindet die Interessen der SchĂŒler auch mit den (durch den Lehrplan) vorgegebenen Lerninhalten,
ermöglicht aber auch, aktuelle Themen zu bearbeiten. Nach Herbert Gudjons (1994) ist Projektunterricht durch zehn Merkmale
gekennzeichnet: Situationsbezug, Orientierung an den BedĂŒrfnissen der Beteiligten, Selbstorganisation und Selbstverantwortung,
Gesellschaftliche Praxisrelevanz, Zielgerichtete Projektplanung, Produktorientierung, Einbeziehung vieler Sinne, Soziales Lernen,
InterdisziplinaritÀt, Bezug zum Lehrgang. Beim Projektlernen als Arbeitsform im Musikunterricht können alle diese Merkmale
berĂŒcksichtigt werden (vgl. Vogt 1999). In Erfahrungsberichten ĂŒber Projektlernen im Musikunterricht wird hĂ€ufig darauf hingewiesen,
dass das Interesse der SchĂŒler fĂŒr das Fach Musik deutlich zunimmt und das Wahlverhalten, besonders in der Oberstufe, positiv beeinflusst wird (vgl. Dethlefs 1997).
(8) Vernetzung von Unterricht und Schulleben
Musikunterricht wird ĂŒber das eigentliche Musiklernen hinaus fĂŒr die SchĂŒler besonders sinnvoll, wenn eine Vernetzung mit dem
Schulleben stattfindet. Schulpartnerschaften, Klassenbefragungen, AuffĂŒhrungen, BeitrĂ€ge zu Festen und Feiern, CD-Produktionen,
Radiosendungen â das Fach Musik hat viele Möglichkeiten, sich zu öffnen und in das sog. âSchullebenâ, aber auch in das kulturelle
Umfeld der Schule hinein zu wirken. Bei der selbstĂ€ndigen Planung und DurchfĂŒhrung von musikbezogenen Schulveranstaltungen
erfahren die SchĂŒler ĂŒber auffĂŒhrungspraktische und kĂŒnstlerische Aspekte hinaus auch organisatorische, ökonomische und soziale
Bedingungen des Musiklebens. Durch sinnvolles Arbeiten, eigene Gestaltung und Ăbernahme von Verantwortung leistet der Musikunterricht einen Beitrag zur demokratischen Erziehung (vgl. Dethlefs 1996).
(9) Beitrag zur Allgemeinbildung
Musikunterricht in der Schule des Lebens und Lernens leistet einen Beitrag zur Allgemeinbildung, wie es Hans BĂ€Ăler (1997) dargelegt
hat. Ein neues SelbstverstÀndnis des Faches Musik als integraler Bestandteil einer allgemeinen Bildung wird durch folgende Aufgaben
definiert: Lebensvorbereitung, Stiftung kultureller KohÀrenz, Weltorientierung, Anleitung zum kritischen Vernunftgebrauch, Entfaltung von
Verantwortungsbereitschaft, EinĂŒbung in VerstĂ€ndigung und Kooperation, StĂ€rkung des SchĂŒler-Ichs.
Im Musikunterricht, vor allem beim projektorientierten Arbeiten, lernen die SchĂŒler fĂ€cherĂŒbergreifende Arbeitsmethoden, aber auch
Themenfelder zu erschlieĂen und eigene Interessen zu entwickeln. Mit zunehmender Klassenstufe werden Methoden selbstĂ€ndigen
Lernens und wissenschaftlichen Arbeitens geĂŒbt. Vor allem in der Sekundarstufe II leistet der Musikunterricht damit einen Beitrag zur
Vorbereitung auf Studium und Beruf (Dethlefs 1998, 2000). Es geht im Musikunterricht nicht um die Vermittlung eines Kanons an
musikalischen FĂ€higkeiten und Musikwissen, sondern um die Kompetenz des âlebenslangen (Musik-)Lernensâ. Dazu gehören
MusikverstĂ€ndnis; Offenheit fĂŒr Neues und Fremdes; die FĂ€higkeit, sich etwas Neues erschlieĂen zu können; Freude an und Neugier auf Musik; Interesse am Musikleben.
(10) Medienerziehung
Zu den fĂ€cherĂŒbergreifenden Aufgaben der Schule gehört die Vermittlung von Medienkompetenz, die die bisherigen Kulturtechniken des
Lesens, Schreibens und Rechnens erweitert. Dabei geht es um das Verstehen von Medien- und Kommunikationstechniken, ihre
sinnvolle Nutzung und ihren Einsatz fĂŒr eigene Ziele in sozialer Verantwortung (Brinkmöller-Becker 1997). Durch diese Basisqualifikation
qualifizieren sich die SchĂŒler fĂŒr das Informationszeitalter (MĂŒnch 2000). Lernen in der Informationsgesellschaft ist durch fachliche und
ĂŒberfachliche BezĂŒge sowie durch Arbeiten in Sinn- und Sachkontexten gekennzeichnet. Dabei werden die individuellen Lerninteressen
der Lernenden berĂŒcksichtigt. Lebenslanges Lernen soll zu einer selbstverstĂ€ndlichen Perspektive werden (Weber; Hauf-Tulodziecki 1999).
Musikunterricht in der Schule des Lebens und Lernens leistet einen Beitrag zur Medienerziehung, insbesondere bei der
Informationsgewinnung und Informationsverarbeitung sowie beim Einsatz der Medien fĂŒr PrĂ€sentationen und kreative Gestaltungen.
ResĂŒmee: Perspektiven fĂŒr den Musikunterricht in der Schule des
Lebens und Lernens
Jeder Musiklehrer sollte im Rahmen des Schulprogramms sein individuelles Konzept entwickeln und Partner suchen â bei den SchĂŒlern,
bei den Eltern, möglichst auch bei den Kollegen anderer FÀcher und bei der Schulleitung. Wichtig ist auch die Kooperation mit
auĂerschulischen Partnern, z.B. andere Schulen, Theater, Musikschule, soziale Einrichtungen. Die Bedeutung des Musikunterrichts fĂŒr
die SchĂŒler, fĂŒr die Schule und ihr Umfeld muss in der Vorstellung der Leute verankert werden! Was fĂŒr die Kinder wichtig ist, kann nicht
so schnell aus der schulinternen Stundentafel gestrichen werden. Die fĂ€cherĂŒbergreifende Kooperation sichert den Bestand des Musikunterrichts im FĂ€cherkanon.
Musikunterricht, in dem Kompetenzen fĂŒr das Leben vermittelt werden, in dem aber auch das Lernen wichtig ist, wird in der Schule des
Lebens und Lernens im 21. Jahrhundert weiterhin Bestand haben.
Anhang:FĂ€cherĂŒbergreifender Projektunterricht mit Musik
Einige Projekte habe ich bereits vor Erscheinen der neuen Richtlinien in NRW (seit 1990) durchgefĂŒhrt. Aus diesen AnsĂ€tzen ist eine
unterrichtliche Konzeption fĂŒr fĂ€cherĂŒbergreifenden Projektunterricht in den Sekundarstufen I und II entwickelt worden. Neben
Unterrichtsprojekten mit fachĂŒbergreifenden Aspekten gibt es fĂ€cherĂŒbergreifende Projekte im engeren Sinne, bei denen eine
thematische Koordinierung verschiedener FĂ€cher erfolgt. Dabei ist die (wĂŒnschenswerte) Teamarbeit mehrerer Lehrer teilweise gegeben, ansonsten werden die Projekte im Musikunterricht durchgefĂŒhrt.
In der Sekundarstufe I
sollen die SchĂŒler in Kurzprojekten (4-5 Doppelstunden) vor allem fĂ€cherĂŒbergreifende Arbeitsmethoden lernen.
In lĂ€ngeren Projekten (10-12 Doppelstunden) werden umfangreichere Themen behandelt, wobei die SchĂŒler an der Themenfindung durch
ErschlieĂung von Themenfeldern und Sammeln von thematischen Aspekten, Fragen und Interessen beteiligt werden.
Durch die Projektarbeit werden Formen selbstĂ€ndigen Lernens geĂŒbt, wobei die innere Differenzierung eine umso gröĂere Rolle spielt, je
höher die Klassenstufe ist. Dort finden sich im Fach Musik meist sehr heterogene Voraussetzungen und Interessen. Es wird eine
verstĂ€rkte Nutzung neuer Medien fĂŒr das Lernen angestrebt, vor allem bei Recherchen und bei der Erstellung von PrĂ€sentationen. HĂ€ufig
sind die Projekte mit dem Schulleben vernetzt (z.B. Schulpartnerschaften, AuffĂŒhrungen, Klassenbefragungen). Die Umgangsweisen
âMusik machen - Musik hören - Sich ĂŒber Musik informieren - Ăber Musik nachdenkenâ werden unterschiedlich akzentuiert.
In der Sekundarstufe II
geht es um umfassende fĂ€cherĂŒbergreifende Projekte, wobei ein wichtiger Akzent der Projektarbeit in der
Anleitung zum wissenschaftlichen Arbeiten liegt. AuĂerdem werden das selbstĂ€ndige Lernen sowie die Team- und KooperationsfĂ€higkeit
der SchĂŒler gefördert, so dass diese Arbeit eine wichtige Vorbereitung auf Studium und Berufsleben darstellt. Da Projektunterricht wegen
der inhaltlichen Differenzierung und des fĂ€cherĂŒbergreifenden Ansatzes kaum mit einer traditionellen Klausur zu vereinbaren ist, wird als
mögliche Lösung die Anfertigung einer schriftlichen Hausarbeit in Verbindung mit der Projektarbeit vorgestellt. In beiden Arbeitsformen
können die SelbstĂ€ndigkeit der SchĂŒler gefördert und Techniken wissenschaftlichen Arbeitens erlernt und geĂŒbt werden.
FĂ€cherĂŒbergreifende Projektarbeit im Musikunterricht trĂ€gt zur Medienerziehung bei, indem die SchĂŒler
1. lernen, Medien zur eigenen Informationsgewinnung und âverarbeitung zu nutzen (z.B. BĂŒcher, Datenbanken, Internet, Lexika auf
CD-Rom);
2. lernen, alte und neue Medien fĂŒr die PrĂ€sentation ihrer Projektergebnisse einzusetzen, z.B. im Hörspiel, Videofilm, aber auch in der
Gestaltung eigener BroschĂŒren, Hand-outs, Folien, CD-Rom usw.;
3. Medien kreativ in Gestaltungsarbeiten (Hörspiel, Videofilm, Zeitung, CD-Rom) anwenden;
4. sich mit den Medien auseinandersetzen, z.B. in Projekten zu Charts oder Gewalt in Nachrichtensendungen.
Unterrichtsprojekte mit fachĂŒbergreifenden Aspekten
âSchĂŒler machen Liederâ oder: âKomponieren ist gar nicht so schwerâ
(Jahrgangsstufe 8, 1990)
Schreiben eigener Texte, Vertonung, Proben, Aufnahmen. Teilnahme am Bundeswettbewerb âSchĂŒler machen Liederâ. Als Produkt
entsteht ein Liederbuch (mit Musikkassette) mit 25 Liedern zu den Themen Umwelt, Drogen, Rechtsradikalismus, Computer, Frieden, Freiheit, Beziehungen, Freunde, persönliche Probleme.
âSchĂŒler machen Liederâ oder: âSchĂŒler gestalten ein eigenes Konzertâ
(Jahrgangsstufe 9, 1990)
Im Anschluss an das vorige Projekt veranstalteten die SchĂŒler ein öffentliches Konzert, bei der die selbst geschriebenen Lieder
vorgetragen wurden. Probleme der Konzertvorbereitung und -durchfĂŒhrung (z.B. Werbung, Plakate, Eintrittskarten, Programmablauf,
Proben, BĂŒhnenaufbau, Beleuchtung, Tontechnik) wurden von einem SchĂŒlerteam gelöst. Der WDR hat im Anschluss eine Schulfunksendung ĂŒber das Gesamtprojekt produziert.
âBlack Orpheusâ - SchĂŒlerorientierte Erarbeitung eines Klassenarrangements
(Jahrgangsstufe 10, 1991)
Die Erarbeitung vom Rhythmus Pattern bis zum Endprodukt war Inhalt einer lÀngeren Unterrichtsreihe, bei der musiktheoretische
Themenbereiche miteinbezogen wurden. Das Ergebnis wurde in einem Schulkonzert aufgefĂŒhrt.
âStarportraitâ (Jahrgangsstufe 9)
Kurzprojekt im Rahmen der Unterrichtsreihe âGeschichte der Rockmusikâ, wurde mehrfach durchgefĂŒhrt. Die SchĂŒler lernen,
Informationen zu sammeln, auszuwerten und in geeigneter Form aufzubereiten. Sie erarbeiten die typischen Merkmale eines Rockstars
oder einer Rockgruppe und ihrer Musik und erstellen eine PrÀsentation (Vortrag, Videofilm, Wandzeitung, Handzettel).
âMusikszene der 90er Jahre - Musicals in Deutschland â Musikstileâ
(Kurzprojekte, Jahrgangsstufe 10, 1997/98)
Themen sind u.a.: âErmittlung der Chartsâ - Klassenbefragung: âTHG-Chartsâ - âRapâ - Kurzportraits der Musicals âLes MisĂ©rablesâ,
âStarlight Expressâ, âMiss Saigonâ - âVon der Audition bis zum fertigen Musicalâ - âHip Hopâ - âNeo Grungeâ - âDas PhĂ€nomen Guildo
Hornâ - âPunkâ - âKultur der Chartsâ - âRockânâRollâ - âFilmmusikâ - âKomponisten der Klassikâ - âBoygroups: Erarbeitung einer Choreographieâ.
In den Kurzprojekten lernen die SchĂŒler u.a. folgende fĂ€cherĂŒbergreifenden Arbeitsmethoden: Teamarbeit, Sammeln und Auswerten von
Informationen, Einsatz des Computers fĂŒr Recherchen und die Erstellung von PrĂ€sentationen, Einsatz verschiedener Medien, Formen der ErgebnisprĂ€sentation.
FĂ€cherĂŒbergreifende Projekte im engeren Sinne
âTime warpâ aus der âRocky Horror Picture Showâ
(Jahrgangsstufe 9, 1992)
FĂ€cherĂŒbergreifendes Unterrichtsprojekt Musik/Sport/Tanz in einer Klasse: Erarbeitung einer Musical-Szene mit schĂŒlerorientierter
Entwicklung der Choreographie und AuffĂŒhrung im Schulkonzert.
âMary Poppinsâ - Erarbeitung von Musicalszenen
(Jahrgangsstufe 6, 1992)
FĂ€cherĂŒbergreifendes Unterrichtsprojekt Musik/Kunst/Deutsch und Darstellendes Spiel in einer Klasse mit AuffĂŒhrung im Schulkonzert.
Beteiligte Fachlehrer: Musik, Kunst, Deutsch (vgl. Dethlefs 1995c).
âTabalugaâ - Erarbeitung eines Musicals
(Jahrgangsstufe 6, 1994)
FĂ€cherĂŒbergreifendes Unterrichtsprojekt Musik/Kunst/Deutsch/Tanz und Darstellendes Spiel in einer Klasse mit AuffĂŒhrung in der
BegrĂŒĂungsveranstaltung fĂŒr die Sextaner. Beteiligte Fachlehrer: Musik, Deutsch.
âBegegnungen mit Barockâ (Jahrgangsstufe 10, 1995)
FĂ€cherĂŒbergreifendes Unterrichtsprojekt Musik/Deutsch/Geschichte/Kunst/Tanz in einer Klasse, durchgefĂŒhrt innerhalb des
Musikunterrichts. Die Aspekte der anderen FĂ€cher werden durch Kenntnisse der SchĂŒler und Studium geeigneter Literatur eingebracht. Produkte: Dia-Vortrag, Wandzeitung, Collage, Tanz, Hörspiel (vgl. Dethlefs 1997)
âLieder gegen Gewalt - Lieder fĂŒr den Friedenâ
(Jahrgangsstufe 10, 1995)
FĂ€cherĂŒbergreifendes Unterrichtsprojekt Musik/Deutsch/Politik/Geschichte in einer Klasse 10, durchgefĂŒhrt innerhalb des
Musikunterrichts. Die Aspekte der anderen FĂ€cher werden durch Kenntnisse der SchĂŒler und Studium geeigneter Literatur eingebracht.
Zur Lebenswirklichkeit der Jugendlichen heute gehört die Erfahrung von AggressivitĂ€t und Gewalt unter SchĂŒlern und in der Schule.
Indem der Musikunterricht das Thema âMusik und Gewaltâ in fachĂŒbergreifender Weise anspricht, können durch die Auseinandersetzung
mit der Musik und ihrem Umfeld Ursachen fĂŒr das PhĂ€nomen der Gewalt ergrĂŒndet, Distanzierung angeregt sowie Toleranz entwickelt
werden. Produkte: Liederbuch, Musikkassette, Videofilm, eigenes Lied, Befragung von Jugendlichen (vgl. Dethlefs 1996).
âBegegnungen mit den Menschen Brasiliens und ihrer Musikâ
(Jahrgangsstufe 10, 1997)
FĂ€cherĂŒbergreifendes Unterrichtsprojekt Musik/Erdkunde/Geschichte/Politik/ Religion/Sport in einer Klasse, durchgefĂŒhrt innerhalb des
Musikunterrichts. Produkt: 50seitiges Themenheft zu Brasilien (Geschichte, Geographie, FuĂball, Samba, Indianer, Dritte Welt und
Karneval, StraĂenkinder). Ein Teil der Klasse hatte sich schon lange fĂŒr die Schulpartnerschaft mit Recife engagiert, einige SchĂŒler
brachten Kenntnisse aus einem Wahlpflichtkurs Erdkunde/Geschichte ein. Das Layout des Themenheftes mit farbigem
themenbezogenen Titelblatt wurde von vier SchĂŒlern am Computer gestaltet. Das Heft wurde zugunsten der Schulpartnerschaft verkauft.
Das Projekt wurde mit einer fachbezogenen Unterrichtsreihe ĂŒber brasilianische Musik kombiniert.
Am Beispiel der brasilianischen Musik sollen die sich bedingenden Faktoren von historischer Entwicklung, gegenwÀrtigem sozialem und
kulturellem Umfeld sowie ihre mannigfachen und von Gattung zu Gattung unterschiedlichen Funktions- und Symbolgehalte thematisiert
werden. Hieraus ergibt sich die Notwendigkeit, fĂ€cherĂŒbergreifende Aspekte einzubeziehen. Sowohl musikimmanente als auch
kulturgeschichtliche, soziologische, ethnologische und geographische Betrachtungen erscheinen wichtig, um das Thema âMusik in Brasilienâ zu erschlieĂen (vgl. Dethlefs 1999).
âRenaissanceâ (Jahrgangsstufe 12, 1996 und 1997)
Im Rahmen eines Kurses âMusikgeschichte als Kulturgeschichteâ werden fĂ€cherĂŒbergreifende Themen nach Wahl und Interessen der
SchĂŒler selbstĂ€ndig bearbeitet. Die Umbruchsituation, die Entstehung eines neuen Weltbildes und die VerĂ€nderung des
Menschenbildes, die rasante Entwicklung in Wissenschaft und Technik, soziale Ungleichheit und ökonomisch-gesellschaftliche
Machtpositionen, NationalitÀtsgedanken, Europagedanken, Rolle der Kirchen - das sind nur einige Aspekte, die mit den
gesellschaftlichen Problemen der Gegenwart und Zukunft zusammenhĂ€ngen und somit fĂŒr die SchĂŒler eine LebensaktualitĂ€t haben. Die
SchĂŒler haben eine Vielfalt von Aspekten und Fragen zu dem ihnen recht fern liegenden historischen Thema formuliert. Damit wird der
fĂ€cherĂŒbergreifende Ansatz plausibel. Die DurchfĂŒhrung als Projekt ermöglicht den SchĂŒlern, ihre individuellen Erfahrungen und
Interessen einzubringen und somit einen Zugang zu finden zu einem Stoff, der laut Lehrplan erforderlich, aber zunÀchst nicht besonders motivierend ist.
Die SchĂŒler, die Musik als Klausurfach gewĂ€hlt haben, haben eine schriftliche Hausarbeit in Verbindung mit der Projektarbeit angefertigt.
Hierbei sind die SelbstĂ€ndigkeit der SchĂŒler gefördert und Techniken wissenschaftlichen Arbeitens erlernt und geĂŒbt worden.
Möglichkeiten der Leistungsbewertung und Ergebnissicherung sind erarbeitet, erprobt und dokumentiert worden: Beurteilung der
Produkte und der Gruppenarbeit, individueller Arbeitsprozessbericht, Facharbeit (vgl. Dethlefs 1998; 2000).
Literatur
BĂ€Ăler, Hans: Töne, KlĂ€nge, Farben. Vom Umgehen mit und Leben in der Musik als Horizont der Allgemeinbildung. In: Heymann, Hans
Werner (Hg.): Allgemeinbildung und Fachunterricht. Hamburg 1997. S. 55-66.
Behne, Klaus-Ernst: Die fremden Kinder. Oder: Wie viele musikalische Lebenswelten verkraftet die MusikpÀdagogik? In: MuB 6/1993. S.
8-13.
Bertelsmann Stiftung (Hg.): Zukunft gewinnen - Bildung erneuern. MĂŒnchen 1999.
Bildungskommission NRW: Zukunft der Bildung - Schule der Zukunft. Denkschrift der Kommission »Zukunft der Bildung - Schule der
Zukunft« beim MinisterprÀsidenten des Landes Nordrhein-Westfalen. Neuwied 1995.
Bohnsack, Fritz: Wandlungen der Schule und ihre HintergrĂŒnde. In: Helms, Siegmund; Jank, Birgit; Knolle, Niels (Hg.): Verwerfungen in
der Gesellschaft - Verwandlungen der Schule. Musikunterricht - Lehrplan - Studium. Augsburg 1996. S. 37-53.
Brinkmöller-Becker, Heinrich (Hg.): Die Fundgrube fĂŒr Medienerziehung in der Sekundarstufe I und II. Berlin 1997.
Dethlefs, Beate: Das Unbekannte im Bekannten. Begegnungen mit den Menschen Brasiliens und ihrer Musik. Ein fĂ€cherĂŒbergreifend
projektorientiertes Unterrichtsmodell. In: BĂ€Ăler, Hans (Hg.):Toleranz - Dimensionen fĂŒr den Musikunterricht. KongreĂbericht 22. Bundesschulmusikwoche Potsdam 1998. Mainz 1999. S. 92-100.
Dies.: FĂ€cherĂŒbergreifender Unterricht. Basisartikel. In: Musik und Unterricht 1995. Heft 33. S. 4-8 (=Dethlefs 1995a).
Dies.: Leserbrief zum Standpunkt von Martin Geck âMusikunterricht - Anspruch, Wirklichkeit, Chancenâ. In: MuB 1995. Heft 5, S. 80-81 (=Dethlefs 1995b).
Dies.: Lieder gegen Gewalt - Lieder fĂŒr den Frieden. Projekterfahrungen im Musikunterricht. In: Musik und Unterricht 1996. Heft 36. S. 17-23.
Dies.: âMary Poppinsâ. Beispiel fĂŒr ein fĂ€cherĂŒbergreifendes Unterrichtsprojekt in einer 6. Klasse. In: Musik und Unterricht 1995. Heft
30. S. 22-28 (=Dethlefs 1995c).
Dies.: Musik (nur) in der Schule? EinfĂŒhrung in den Themenschwerpunkt. In: PĂD Forum 2000. Heft 4. S. 275-276.
Dies.: MuĂ Musikgeschichte immer langweilig sein? SchĂŒlerorientierte Zugangsweisen zum Thema âBarockâ. In: PĂD Forum 1997. Heft 5. S. 409-413.
Dies.: Projektunterricht in der Gymnasialen Oberstufe. Erfahrungen mit Leistungsbewertung und Ergebnissicherung. In: PĂ€dagogik
1998. Heft 7-8. S. 17-21.
Dies.: Renaissance - Projekt. SchĂŒlerorientierter Musikunterricht in der Sekundarstufe II. In: Musik in der Schule 2000. Heft 1. S. 20-25.
Dies.: Schule heute - der ganz alltÀgliche Wahnsinn? Statement zu meinem Musikunterricht an einem Gymnasium. In: NMZ 1996.
Heft 3. S. 41-42.
Dies.: Schule von innen verÀndern. In: Helms, Siegmund; Jank, Birgit; Knolle Niels (Hg.): Verwerfungen in der Gesellschaft -
Verwandlungen der Schule. Musikunterricht - Lehrplan â Studium. Augsburg 1996. S. 38-43.
Fend, Helmut: Sozialgeschichte des Aufwachsens: Bedingungen des Aufwachsens und Jugendgestalten im zwanzigsten Jahrhundert.
Frankfurt/M. 1988.
Gudjons, Herbert: Was ist Projektunterricht? In: Bastian, Johannes; Gudjons, Herbert (Hg.): Das Projektbuch. Theorie - Praxisbeispiele -
Erfahrungen. 4. Auflage. Hamburg 1994. S. 14-27.
Hentig, Hartmut von: Die Schule neu denken. Eine Ăbung in praktischer Vernunft. MĂŒnchen-Wien 1993.
Hurrelmann, Klaus: Warteschleifen. Keine Berufs- und Zukunftsperspektiven fĂŒr Jugendliche? Weinheim-Basel 1989.
Kaiser, Hermann J.: Musik in der Schule? Musik in der Schule! In: AfS Magazin 10/1999. S. 5-11.
Klitzing, Horst GĂŒnther: Caught-In-The-Act und Mozart â der alltĂ€gliche Spagat im Musikunterricht. In: Profil 3/1997. S. 12ff.
MĂŒnch, Thomas: Musikunterricht online: Möglichkeiten und Grenzen des Einsatzes eines neuen Mediums im schulischen Alltag. In:
Helms, Siegmund, u.a. (Hg.): MusikpÀdagogik zwischen Regionalisierung, EuropÀisierung und Globalisierung. Kassel 2000. S. 35-55.
Schiffler, Horst; Winkeler, Rolf: Tausend Jahre Schule. Eine Kulturgeschichte des Lernens in Bildern. 4. Auflage. Stuttgart 1994.
Vogt, Halka: Projektorientiertes Lernen und Musikunterricht. Kriterien und Praxisbeispiele. In: Musik in der Schule 4/1999. S. 212-217.
Weber, Wolfgang; Hauf-Tulodziecki, Annemarie: Lernen mit Neuen Medien â Medienbildung. In: Lernwelten 2/1999. S. 75-78.
Winkel, Rainer: Merkmale einer Schule von heute fĂŒr morgen. In: Neue Deutsche Schule 9/1997. S. 17 (=Winkel 1997a).
Ders.: Theorie und Praxis der Schule. Oder: Schulreform konkret - im Haus des Lebens und Lernens. Baltmannsweiler 1997
(=Winkel 1997b).
zurĂŒck zur Hauptseite
|