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Interview

Interview mit Tania, einer Kubanerin

 Das Interview wurde von mir 1993 geführt. Tania lebt seit 1989 in Deutschland. Das Interview wurde in spanischer Sprache geführt und anschliessend von mir ins Deutsche übersetzt.

 

Frage:   „Tania, erzähl mir von einer richtigen kubanischen Rumba!“

Tania:   „Ja, also am Sonntag nachmittag, wenn die Leute nichts zu tun haben, treffen sie sich, einer hat ‘ne Flasche Rum mitgebracht und dann fängt einer an zu trommeln und ein anderer fängt an zu tanzen und dann gibt es eine Rumba.“

Frage:   „Sind es immer die gleichen Leute, die spielen?“

Tania:   „Nein, nein, sie wechseln sich immer ab. Fast alle Männer eines Viertels können Percussion spielen und sie wechseln sich ab, auch im Gesang. (überlegt) Die Quinto spricht und der Tänzer antwortet. Und zwischen den Menschen ist das auch so. Man kann zwei Tänzer sehen und die zwei versuchen zu zeigen, wer die bessere Kommunikation mit der Quinto hat. Und es ist auch wie ein Wettstreit.“

Frage:   „Und was machen die anderen Leute bei einer Rumba?“

Tania:   „Singen und die Claves klatschen (klatscht die Claves). Und den Chor. Gut. Alle Leute, die da sind klatschen die Claves. Alle. Alle, die da sind. Und es müssen nicht die ganze Zeit die gleichen tanzen. Wenn du müde wirst, gehst du von der Tanzfläche und wer will, fängt an. Es beginnt ein Paar, ein Mann, eine Frau, eine Frau und ein Mann, zwei Männer, zwei Frauen,... Es ist ein Wettstreit zwischen den Tänzern, aber auch mit der Quinto.“

Frage:   „Ist es ein erotischer Tanz?“

Tania:   „Ja, für die Europäer!“

Frage:   „Ist es für Euch ein erotischer Tanz?“

Tania:   „Nein! Sieh mal, es gibt Tänze, die auch für uns erotisch sind, wo du die Hüften bewegen musst und so weiter. Aber wenn ich die Rumba tanze, tanze ich nicht nur das, eine Rumba ist eine Mischung verschiedener Tänze.“

Frage:   „Auf mich wirkt die Rumba wie eine Geschichte aus dem Leben.“

Tania:   „Ja! Die Rumba spiegelt das Leben wieder. Wie die Frauen die Wäsche waschen, wie die Frauen stolz sind und wie die Männer die Frauen behandeln und so. Das ja. Aber die Rumba hat nichts mit Sex zu tun. Der Mann tut so, als ob er alles kann, und die Frau ist stolz und bewegt ihre Hüfte. So ist es, wie eine Spiegelung des Lebens.“

Frage:   „Ist es wichtig für die Tänzer, wie das Publikum reagiert?“

Tania:   „Ja, klar! Wie ich schon gesagt habe, ist die Rumba wie ein Wettstreit. Z.B. passiert es in Kuba oft, dass einer in der Mitte tanzt und einer bewegt sich so ein bisschen am Rand. Der Tänzer provoziert den anderen, in die Mitte zu kommen und mit ihm zu tanzen. Und dann beginnen die beiden einen Wettstreit.“

Frage:   „Aber ist es nicht auch so, dass du dadurch, dass die Leute mitklatschen und singen, besser tanzt?“

Tania:   „Ja klar! Sie provozieren dich!“

Frage:   „Und das Gegenteil auch? Wenn es den Leuten nicht gefällt, schreien sie dann „Buh!“ oder so was?“

Tania:   „Nein! Sieh mal, die Leute klatschen und singen. Es gibt auch nicht nur Tänzer im Publikum, es gibt auch Leute, die gerne singen und klatschen und die Claves klatschen und die nicht gerne tanzen.
Wenn du nicht tanzen kannst,... Du musst nicht tanzen können! Aber du musst deinen Körper bewegen! Du kannst dann auch in die Mitte gehen. Es ist egal, ob du es gut oder schlecht machst. Das hat nichts zu sagen. Wenn du alleine tanzen willst, wenn die Tänzer gerade ihren Wettstreit machen, dann geh, mach deinen Tanz! Das ist egal! Keiner sagt dann: Raus(auf deutsch)! Klar, das nicht. Du kannst tanzen.“